Verantwortung

Täter und Täterinnen haben die alleinige Verantwortung für ihr Gewalthandeln, von daher sind sie auch die einzigen, die ihre Gewalt stoppen können. Sie sind in der Regel nicht psychisch krank und therapiebedürftig, so dass sie „geheilt“ werden müßten.

Gewalttätige müssen so für sich die Entscheidung treffen, ob sie weiterhin gewalttätig leben wollen oder nicht. Bei dieser Entscheidungsfrage und in der Folge benötigen sie Beratung, da sie eigenständig den (unbewußten) Gewaltkreislauf nicht verlassen können.

Gewalt ist nicht nur schädlich für die Opfer, sondern auch für die Täter/innen. Gewalt erzeugt Angst und unter empfundener Angst wird Vertrauen unmöglich.

Gewalttätige Klienten zerstören so Vertrauen, Nähe, Kontakt und Beziehung, also das, wonach sie sich sehnen. Wird ihnen deutlich, wie sehr ihre Gewalt ihnen selber schadet (Beziehungsabbrüche, Strafverfolgung, Selbstzweifel, Isolation…), sind sie bei bestehendem Beratungsangebot in der Regel bereit und primär motiviert, ihr Verhalten zu verändern.

Gewaltberatung und Gewaltpädagogik setzen voraus, die Klienten als sinnhaft handelnde Personen in der Dynamik ihrer Gewalt zu verstehen, was nicht bedeutet, dass ihre Gewalt entschuldigt wird.

Eine Veränderung gewalttätigen Verhaltens kann jedoch nur über sein Verständnis erfolgen.

Haltung und Ziele (GHM)®

Ziele, die in der Arbeit mit Gewalttätigen erreicht werden sollen, sind abhängig von der Grundhaltung, mit denen wir ihnen als Berater gegenüber treten (vgl. Oelemann & Lempert, 2000):

Solidarisch- begleitende Haltung als elementare Grundlage:

Wir solidarisieren uns bspw. als Männer mit den Jungen bzw. Männern und entsolidarisieren uns gleichzeitig von ihrer Gewalt. Wir respektieren die Täter als Personen in ihrem So-Sein, und lehnen gleichzeitig ihre Gewalttätigkeit ab.

Jede Form der Beratung ist nur möglich, wenn einem Klienten oder einer Klientin als Person ehrliche Wertschätzung und Respekt entgegengebracht wird. Jeder Gewalthandelnde wird als Gesamtpersönlichkeit gesehen, also sowohl mit seiner / ihrer Gewalttätigkeit als auch mit den positiven Ressourcen und liebevollen Seiten.

Geschlechtstypische Gewaltberatung/Gewaltpädagogik GHM®

Wir arbeiten mit Tätern nicht als geschlechtslose , neutrale Berater, sondern z.B. als Männer, die selber einmal Jungen waren und einen reflektierten Zugang zu ihrem eigenen Junge-Sein haben. Erfolgreiche Gewaltberatung ist nur möglich, wenn wir den Klienten aus seinem Empfinden und aus seinen Sozialisationsbedingungen heraus verstehen können.
In der Arbeit mit Täterinnen gelten diese Grundsätze ebenso.
Nur wenn Gewalttätige die Erfahrung machen, dass die GewaltberaterInnen sich in ihre Lage versetzen können, werden sie ihr Mißtrauen überwinden und eine primäre Motivation für eine wirkliche Veränderung seines/ihres Verhaltens entwickeln.

Ressourcenorientierung.

Es geht uns nicht darum, Tätern oder Täterinnen zu vermitteln, was bei ihnen alles nicht stimmt und was sie aufgeben müssen, sondern vor allen Dingen arbeiten wir mit ihnen an ihren positiven Lebensentwürfen.

Sie erfahren in und durch unsere Begleitung, was sie alles gewinnen können, wenn sie auf ihre Gewalt verzichten und aufhören, unerreichbaren Selbstbildern nachzueifern.

Wir gehen davon aus, dass alle Klienten die Ressource „Gewaltfreiheit“ potentiell in sich tragen.

Emotionsbalancierende Gewaltberatung/Gewaltpädagogik GHM®

Unsere KlientInnen sind uns mit all ihren Gefühlen willkommen. Wut und Hass sind genauso erlaubt wie

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Trauer Verzweiflung und Ohnmacht. Der Zugang zu ihren Gefühlen im Kontakt mit einem erfahrenen und professionellen Gegenüber nimmt den KlientInnen die unbedingte Notwendigkeit, diese bedrängenden Gefühle abzuwehren.

Ziel der Arbeit ist es, die KlientInnen in ihrer Selbstwahrnehmung zu “vertiefen”, und ihnen einen situativ angemessenen Ausdruck der Emotionen zu ermöglichen.

Dies führt auf Dauer zur emotionellen Stabilisation des Einzelnen durch Integration eigener ungeliebter Emotionen und Persönlichkeitsanteile.

LITERATURLISTE:

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BSJB: Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung, Hamburg
BUNDESKRIMINALAMT : Kriminalstatistik, Wiesbaden 1992
DANGERS T. : Die Bedeutung der Vorbilder für gewalttätige Männer auf ihrer Suche nach Männlichkeit, unveröffentliche Diplomarbeit, Hamburg, Dezember 1993
LEMPERT J. : Wohin mit meiner Wut, Trainingsprogramm für Männer, unveröffentlichtes Manuskript, Hamburg 1988
LEMPERT J. : “DER GEWALT” in Institut für Volkskunde Hamburg, Universität Hamburg: HAMBURGER PLATT, Heft 2 1993
LEMPERT J. : Gewalt ist Männersache, Interview Marie Claire, Hamburg, August 1993.
LEMPERT J. : Arbeit mit gewalttätigen und rechtsextremen Jugendlichen in: BONIFER-DÖRR / WEINKNECHT: Hakenkreuze, Türkenwitze… , Hiba-Verlag, Heidelberg 1994.
LEMPERT J.; OELEMANN B. : Öffentliche Anhörung über die Beratungsstelle MÄNNER GEGEN MÄNNER-GEWALT â Ausschuß für Frauen und Jugend, Deutscher Bundestag 14. Ausschuß, 27. Sitzung, Bonn 1992
Lempert, J, Oelemann, B. … dann habe ich zugeschlagen, Hamburg, Konkret Literatur Verlag 1994
Lempert, J. Oelemann, B.: Endlich Selbstbewusst und Stark, Ole-Verlag 2000
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OELEMANN, B.: Angst-Umweg: Gewalt; Physische Gewalt unter männlichen Jugendlichen, geschlechtstypische Ursachen, Intervention, Prävention.
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OELEMANN, B.: Vom Mißbrauch des Mißbrauchs, über die Ideologisierung der sexuellen Mißhandlung von Jungen, in: MÄNNERFORUM 9/ Kassel, Dezember 1993,
OELEMANN, B.:Vater-seelen allein, Jungen zwischen Held und Hasenfuß,in: REFERATE Niedersächsisches Kultusministerium Hannover , September 1993 (a)
OELEMANN, B.:Jungs- endlich mal unter sich! in: Mach was aus Dir- welche Rolle paßt zu mir?
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OELEMANN, B.: Mütter können aus Jungen keine Männer machen, in: Marie Claire 1/1994,
OELEMANN, B.: Sexuelle Gewalt gegen Jungen; die Opfer / die Täter in: Sexuelle Gewalt, Dokumentation der Stadt DELMENHORST, 1993,
OELEMANN, B.: Jugendgewalt ist Jungengewalt, in: DVJJ-Journal 2 1991,
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RIMMLER U., SLÜTER R. : 7 Jahre “Männer gegen Männer-Gewalt”, Hamburg, DGVT , Nr.: 1/92.
RIMMLER U. : “….. dann habe ich zugeschlagen”, Psychologie Heute, Juni 1993.
SCHNACK D., NEUTZLING R. : Kleine Helden in Not, Reinbek 1991
SLÜTER R. : Gewalttätigkeit von Männern in der Partnerschaft vor dem Hintergrund ihrer Wünsche und Erwartungen an die Partnerin, unveröffentliche Diplomarbeit, Hamburg, Dezember 1991.
WASCHLEWSKI, Stefan: Beratung mit gewalttätigen Jungen, Leitbildbeschreibung der Beratungsstelle “Komman” in Wuppertal, 2003

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