Jungenarbeit

Jungen sollen erkennen:

  • Geschlechtstypisches Verhalten ist nicht generell angeboren, sondern hauptsächlich anerzogen. Es ist gelernt und kann sich verändern.
  • Das vorherrschende Bild vom Mann, dem viele Männer nachstreben, ist eine “Idealvorstellung” die kein Mann je erreicht. Selbst Rambo ist privat nur Silvester Stallone.
  • Sogenannte “männliche Tugenden” wie Selbstbeherrschung, Gelassenheit (cool sein), Festigkeit, Distanziertheit, Stärke, Überlegenheit, Strenge etc. machen in ihrer männlichen Idealisierung und Absolutheit eine Panzerung des Gefühlslebens und des Körpers notwendig, so daß sich der Junge/Mann täglich selbst Gewalt antun muß, um diese Fassaden aufrecht zu erhalten.
  • Jungenarbeit, so wie wir sie verstehen, stellt einen Raum zur Verfügung, in dem Jungen:
  • lernen können, das alltägliche Gefühlsleben bewußt in die eigene Hand zu nehmen. Auch sie können für eine angenehme Atmosphäre im Umgang miteinander sorgen.
  • sensibler werden für fremde und eigene Bedürfnisse, überhaupt für den zwischenmenschlichen Umgang. Im psychologischen Sinne meint diese “Kontaktfähigkeit”, sich selbst und gleichzeitig das Gegenüber wahrnehmen zu können.
  • Freiheit, Lust, Bedürfnisbefriedigung, Anerkennung nicht auf Kosten anderer zu erleben – sie aber wirklich von anderen Männern zu bekommen.
  • dadurch erfahren Jungen, daß auch Männer begabt sind mit Gefühlen und Wärme, daß Beziehungen unter Männern nicht geprägt sein müssen von nüchterner Sachlichkeit und Rivalität, sondern auch von Sympathie, die den ganzen Menschen einbezieht. Sie können so erkennen, daß emotionale Männer nicht “schwul” oder “Weichlinge” sind.
  • durch Abbau der Gefühlsabwehr neue Erfahrungen mit allen Sinnen, mit dem eigenen Körper machen können, um sich selbst besser wahrzunehmen.

Eine solche Arbeit steht in einem permanenten Spannungsfeld zwischen Empathie und Konfrontation, von Beziehungsangebot und eindeutiger Distanzierung von gewalttätigem Verhalten.man.jpg

Diese Arbeit muß sinnvollerweise von Männern geleistet werden, die dem Jungen auch und besonders auf der emotionalen Ebene ein transparentes Gegenüber anbieten, um die Entwicklung einer realitätsbezogenen, positiven Geschlechtsidentität zu ermöglichen und zu fördern.

Unsere Arbeit ist geprägt von Förderung und Unterstützung und nicht von einem letztlich zerstörerischem “Kampf”.
Jungen fehlt der real erlebbare Mann, der sich nicht hinter pädagogischen Berufen oder Funktionen verbirgt. Jungen suchen Grenzen auf, um Orientierung zu finden. Im real erlebten Kontakt können Männer ihnen das bieten, bevor Jungen gewalttätig werden müssen. Aber nur ehrliche Antworten können diese Orientierung geben. Antworten, die sich nicht in Floskeln ergehen, sondern auch als erlebte Qualität des Mannes dem Jungen zugänglich sind.

Frauen können diese Arbeit nicht leisten.

Ein positives Männerbild können sie Jungen nicht vorleben.
Versuchen sie es dennoch, so verstärken sie den Prozeß der fehlenden “Triangulierung”, also der Tatsache, daß durch sie Jungen nur wissen, wovon sie sich wegzuentwickeln haben.
Jungen brauchen zu ihrer Entwicklung Mütterlichkeit und Väterlichkeit, nicht aber scheinbar geschlechtslose Pädagogen und Elternteile.