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	<title>Gewaltpädagogik</title>
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	<description>Genderorientierte Gewaltberatung/-pädagogik (GHM®)</description>
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		<title>Leitbild Gewaltp&#228;dagogik (GHM)®</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Aug 2007 14:03:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Forum Intervention</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitbild]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltberatung]]></category>

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		<description><![CDATA[Autoren: J&#252;rgen Krabbe/Burkhard Oelemann In Kooperation mit Joachim Lempert haben wir &#8220;Gewaltberatung&#8221; und &#8220;Gewaltp&#228;dagogik&#8221; vor ann&#228;hernd 20 Jahren entwickelt (»Hamburger Modell«). Unsere Arbeit ist spezialisiert auf das so genannte &#8220;Dunkelfeld&#8220;, also auf T&#228;ter und T&#228;terinnen, die nicht polizeilich oder sonstwie erfa&#223;t sind. Entgegen der sehr weit verbreiteten aber v&#246;llig unbewiesenen Behauptung, dass gewalthandelnde Menschen nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<h4>Autoren: J&#252;rgen Krabbe/Burkhard Oelemann</h4>
<p>In Kooperation mit Joachim Lempert haben wir &#8220;<strong>Gewaltberatung</strong>&#8221; und &#8220;<strong>Gewaltp&#228;dagogik</strong>&#8221; vor<img style="margin: 10px;" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/cowboy_.jpg" alt="" hspace="10" vspace="3" width="146" height="400" align="right" /> ann&#228;hernd 20 Jahren entwickelt (»Hamburger Modell«).</p>
<p>Unsere Arbeit ist spezialisiert auf das so genannte &#8220;<a href="http://intervenieren.de/wp/category/gewaltberatung" target="_blank">Dunkelfeld</a>&#8220;, also auf T&#228;ter und T&#228;terinnen, die nicht polizeilich oder sonstwie erfa&#223;t sind.</p>
<p>Entgegen der sehr weit verbreiteten aber v&#246;llig unbewiesenen Behauptung, dass gewalthandelnde Menschen nicht von sich aus Beratung aufsuchen, wissen wir, dass sie genau das tun&#8230;<br />
Jedoch unter einer wichtigen Vorraussetzung: Es mu&#223; ein passendes Angebot geben. Seit fast 20 Jahren arbeiten wir (haupts&#228;chlich) mit gewalthandelnden M&#228;nnern und m&#228;nnlichen Jugendlichen, die k&#246;rperlich gewaltt&#228;tig sind. Wir bewegen uns in den Bereichen der sekund&#228;ren und terti&#228;ren Pr&#228;vention sowie der prim&#228;ren Intervention.</p>
<p>Wir verwenden den <strong>Gewaltbegriff als Handlungsbegriff</strong>.</p>
<blockquote><p>Gewalt ist f&#252;r uns die Bezeichnung f&#252;r jedes Handeln einer Person, das zur Verletzung der k&#246;rperlichen Integrit&#228;t einer Person f&#252;hrt.<br />
Gewalt bezieht &#252;ber k&#246;rperliche Gewalthandlungen hinaus auch psychische Formen mit ein, insoweit diese von physischer Gewalt begleitet wird oder auf deren Androhung beruht. Gewalthandeln ist nach unserer Definition ein intentionales Handeln, d.h. ihm liegt eine &#8211; wie auch immer bewu&#223;te &#8211; Willensentscheidung des Handelnden zugrunde.</p></blockquote>
<p><img title="hand-point-right-2.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/hand-point-right-2.jpg" alt="hand-point-right-2.jpg" hspace="10" vspace="3" width="61" height="61" align="left" /><strong> Aggression ist nach unserem Verst&#228;ndnis keine Gewal</strong>t, auch keine &#8220;Vorstufe&#8221; dazu.<br />
Vielmehr sehen wir Aggression und Aggressivit&#228;t als eine m&#246;gliche Verhaltensform an, um sich durchzusetzen, zu behaupten und sich abzugrenzen. Die F&#228;higkeit zur Aggression ist lebensnotwendig.<br />
Etymologisch besagt Aggression „herangehen an&#8221;. Insofern kann ein aggressives Verhalten durchaus bedr&#228;ngend und „gewaltig&#8221; wirken, doch beinhaltet und intendiert es keine k&#246;rperliche Verletzung.</p>
<h3>Soziale und Psychosoziale Arbeit</h3>
<p>Soziale Arbeit ist im weitesten Sinne eher von einer &#8220;opferorientierten Sichtweise&#8221; gepr&#228;gt: Soziale Studieng&#228;nge und herk&#246;mmliche therapeutische Ausbildungen qualifizieren Personen zu einer Arbeit mit Menschen, die aufgrund von Mi&#223;st&#228;nden, schlimmen Ereignissen, Krisen, fehlenden M&#246;glichkeiten etc. zu Klienten werden. Die dort vermittelten F&#228;higkeiten reichen in der Regel f&#252;r die T&#228;ter- und T&#228;terinnenarbeit nicht aus. Deshalb wurden (und werden noch heute ) T&#228;ter und T&#228;terinnen vielerorts in der psychosozialen Diagnostik erst gleichsam zu &#8220;Opfern&#8221; gemacht, um mit den herk&#246;mmlichen und erprobten &#8220;Werkzeugen&#8221; der sozialen Arbeit &#252;berhaupt mit ihnen arbeiten zu k&#246;nnen.<br />
Genderorientierte Gewaltberatung und Gewaltp&#228;dagogik, die Weiterentwicklung des Hamburger Modells, erg&#228;nzen nun die psychosoziale Arbeit um eben jene professionellen Fertigkeiten, mit Hilfe derer Tat- und t&#228;ter(innen)orientiert gearbeitet werden kann.<br />
Im Folgenden erfahren Sie zuerst die Grundlagen der Gewaltp&#228;dagogik:</p>
<p>Wir verwenden den Begriff &#8220;Gewaltp&#228;dagogik&#8221; mittlerweile in zweierlei Bedeutungs- Zusammenh&#228;ngen:</p>
<blockquote>
<ul>
<li>als psychoedukative Methode, auch in der Arbeit mit Erwachsenen,</li>
<li>als Kennzeichnung der Altersgruppe unseres Klientels.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Der zweite Bedeutungszusammenhang hat sich quasi ohne unser Zutun &#8220;entwickelt&#8221;, wird doch allgemein im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen von &#8220;P&#228;dagogik&#8221; geredet und geschrieben.</p>
<p><strong> Burkhard Oelemann und Joachim Lempert haben in den 90er Jahren eine Brosch&#252;re ver&#246;ffentlicht, die den Titel „Lieber gewaltt&#228;tig als unm&#228;nnlich&#8221; trug.</strong></p>
<p>Hier wird sehr ausf&#252;hrlich auf die Spozialisationsbedingungen von Jungen eingegangen, und deshalb eignet sich die Brosch&#252;re sehr gut als Einstig in unsere Arbeit. Wir geben den Text daher hier in voller L&#228;nge wieder:</p>
<h3><img title="strichraufsichhhaare.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/08/strichraufsichhhaare.jpg" alt="strichraufsichhhaare.jpg" hspace="10" vspace="3" align="left" /></h3>
<p><strong>Vorbemerkung:</strong> Arbeit mit gewaltt&#228;tigen Menschen setzt voraus, sie und die Dynamik ihrer Gewalt zu verstehen.</p>
<p>Zu verstehen, was in dem Betroffenen vorgeht, welche Motivationen und welche Hintergr&#252;nde seinem gewaltt&#228;tigen Verhalten zugrunde liegen. Verstehen bedeutet aber nicht; Gewalt weg-zu-verstehen und sie damit zu entschuldigen. Jedoch erm&#246;glicht nur Verstehen Ver&#228;nderungen.</p>
<p>Eine Tatsache wird bei allen Erkl&#228;rungsans&#228;tzen f&#252;r Gewalt nicht oder kaum ber&#252;cksichtigt:<br />
Gewaltt&#228;tig werden (zumindest im sogenannten Hellfeld) nicht Menschen allgemein, sondern vorwiegend M&#228;nner und Jungen.</p>
<p>Gewalt , gleich in welcher Form, ist somit auch eine m&#228;nnliche Ressource.<br />
Das belegt zum Beispiel die amtliche Kriminalstatistik, die gro&#223;e Anzahl der Strafvollzugsanstalten f&#252;r M&#228;nner im Vergleich zu den wenigen f&#252;r Frauen.<br />
Begriffe wie &#8220;gewaltt&#228;tige Jugendgangs&#8221;, &#8220;Crash-Kids&#8221; legen zwar nahe, dass genauso viele M&#228;dchen wie Jungs in ihnen pr&#252;geln, aber die genaue Betrachtung zeigt, dass diese Gruppen fast ausschlie&#223;lich aus m&#228;nnlichen Jugendlichen bestehen. Die Anzahl der M&#228;dchen ist steigend, doch in der Summe noch immer vernachl&#228;ssigbar.<br />
Jugendliche, die Autos aufbrechen und anschlie&#223;end mit 160 km/h durch die Stadt rasen, sind m&#228;nnlich. Jugendliche, die sich beim Fu&#223;ballspielen pr&#252;geln, sind m&#228;nnlich.<br />
Untersuchungen und Erfahrungen vor Ort belegen diese Tatsache, ohne da&#223; ihr in irgendeiner Weise Beachtung geschenkt wird.<br />
Betrachtet man Gewalt vor diesem Hintergrund, so ver&#228;ndert sich der Umgang mit ihr.</p>
<p>Auch dieser Text wird von Ihnen , liebe Leserin, lieber Leser, nicht als geschlechtsneutrales Neutrum aufgenommen. Sie lesen ihn als Frau oder Mann. <em>Die Aussage: &#8220;Gewalt ist eine m&#228;nnliche Ressource&#8221; wird zu ganz unterschiedlichen Reaktionen bei Ihnen f&#252;hren, abh&#228;ngig von Ihrem Geschlecht.</em></p>
<p>Schl&#252;sselt man die Probleme von und mit Kindern und Jugendlichen nach ihrem Geschlecht auf, trifft man z. B. auf folgende Aussagen:</p>
<p>( Quelle: Schnack/Neutzling 1991)*</p>
<blockquote><p>- Psychische und psychosomatische St&#246;rungen sind bei Jungen bis zu 8mal h&#228;ufiger als bei M&#228;dchen.*</p></blockquote>
<blockquote><p>- Doppelt so viele Jungen wie M&#228;dchen werden in Erziehungsberatungsstellen vorgestellt.*</p></blockquote>
<blockquote><p>- Der Anteil von Jungen in F&#246;rderschulen oder Schulen f&#252;r Verhaltensauff&#228;llige betr&#228;gt 61% bzw. 86,2%. (Quelle: BSJB Erfassung 1993)*</p></blockquote>
<blockquote><p>- In der Kriminalstatistik sind Jungen bis zu 60 mal h&#228;ufiger aufzufinden als M&#228;dchen.*</p></blockquote>
<p>Das zeigt: Die &#8220;auff&#228;lligen Jugendlichen&#8221; sind in Wirklichkeit fast ausschlie&#223;lich Jungen, ohne da&#223; &#252;ber diese Tatsache nennenswert nachgedacht oder geforscht wurde. Dies &#228;nderte sich erst in den letzten Jahren.</p>
<p>Die Aufmerksamkeit der P&#228;dagogInnen, LehrerInnen und Eltern richtet sich vor allem auf die Auff&#228;lligkeiten, weniger aber auf die Orientierungslosigkeit von Jungen.</p>
<p>Diese Auff&#228;lligkeiten sind aber nichts als Symptome, die geradezu zwangsl&#228;ufig aus den M&#228;ngeln und Sch&#228;digungen durch traditionelle Jungensozialisation resultieren.</p>
<p>Wie kommt es, da&#223; M&#228;dchen und Jungen, Frauen und M&#228;nner, die in derselben Gesellschaft leben, scheinbar unter denselben Bedingungen aufwachsen, sich hinsichtlich der Anwendung von Gewalt so sehr unterscheiden?</p>
<p>Das Gleiche bedeutet f&#252;r M&#228;dchen und Jungen nicht dasselbe :<br />
Beide wachsen die ersten Lebensjahre mit und bei Frauen auf. &#220;blicherweise sorgt eine Mutter f&#252;r das Kind. Es gibt eine Babysitterin, im Kindergarten arbeiten Kinderg&#228;rtnerinnen und in der Grundschule unterrichten Lehrerinnen.<br />
Meist treten erst nach dem Wechsel in eine weiterf&#252;hrende Schule m&#228;nnliche Lehrer in Erscheinung.<br />
Die allermeisten Jungen haben bis zu diesem Zeitpunkt nur wenig Beziehung zu M&#228;nnern.</p>
<p>Selbst die inzwischen manchmal vorhandenen V&#228;ter, die sich um ihre Kinder k&#252;mmern, sind doch die meiste Zeit abwesend: Denn der Vater ist f&#252;r die materielle Existenzsicherung der Familie zust&#228;ndig. Zu fast 90% nehmen Frauen Erziehungsurlaub, wie die neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes belegen.<br />
In der Zeit, in der Mann &#8220;ernsthafter&#8221; T&#228;tigkeit nachgeht, hat er mit dem Jungen kein Kontakt.<br />
Fast alles, was f&#252;r einen Jungen in seinem Leben konkret z&#228;hlt, was ihn versorgt, n&#228;hrt, besch&#228;ftigt und sch&#252;tzt, kommt von Frauen. M&#228;nner fehlen, sind an der Kleinkind Erziehung gesellschaftlich nur in Prozentgr&#246;&#223;en beteiligt.<br />
Allein diese Tatsachen spiegeln aus dem Erleben des Jungen aber schon &#8220;stillschweigend&#8221; folgende Leits&#228;tze wider:</p>
<blockquote>
<ul>
<li> Frauen und Kinder geh&#246;ren zusammen.</li>
<li>Will ein Junge etwas mit M&#228;nnern zu tun haben, sehnt er sich nach N&#228;he und Kontakt zu ihnen, darf er nicht (wie) ein Kind sein.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Der kleine Junge erlebt schon sehr fr&#252;h, da&#223; er ein anderes Geschlecht als seine Mutter, Kinderg&#228;rtnerin etc. hat. Damit &#8220;wei&#223;&#8221; er auch, dass er sich von ihr unterscheiden muss. Nur wie, das wei&#223; er nicht.</p>
<p>Der Junge erh&#228;lt keine vorgelebten Identifikationsangebote von M&#228;nnern; ihm fehlen reale Vorbilder, die Orientierung geben. Daf&#252;r ist ihm umso eindringlicher klar, <img style="border: 1px solid black; margin: 10px 20px;" title="jannes.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/08/jannes.jpg" border="1" alt="jannes.jpg" hspace="7" vspace="3" width="203" height="201" align="left" />wovon er sich weg entwickeln muss. Kopiert er weibliches Verhalten, gilt er als &#8220;weibisch&#8221; und wird als &#8220;schwul&#8221; tituliert.<br />
Verhalten, das dem vorgelebten und dem erlebten Vorbild der Mutter zu nahe kommt, ist &#8220;gef&#228;hrlich&#8221;. Denn ein Junge, der sich wie eine Frau verh&#228;lt, entspricht nicht mehr der Norm des &#8220;richtigen Jungen&#8221;. Selbst wenn er die aufbauenden, tr&#246;stenden Aspekte der Mutter sch&#228;tzt und genie&#223;t, wenn er wei&#223;, wie wertvoll dieser Aspekt des Mensch Seins ist, darf er ihn selbst nicht aus&#252;ben. Statt also hier die Mutter nachzuahmen, kann es im Extremfall zu einer Verkehrung ins Gegenteil kommen.</p>
<p>Er macht genau das Gegenteil von dem, was er bei und von Frauen erlebt, selbst wenn er ihr Verhalten positiv bewertet. Wenn er das Gegenteil tut, kann er nicht &#8220;weibisch&#8221; sein, nicht als &#8220;schwul&#8221; gelten, lautet seine tr&#252;gerische Logik.<br />
Das, was m&#228;nnlich ist, wei&#223; er nicht: Die konkret erfahrene und erlebte Orientierung fehlt.<br />
Deshalb definieren Jungen &#8220;m&#228;nnlich&#8221; als das blo&#223;e Gegenteil von &#8220;weiblich&#8221;.<br />
Um als m&#228;nnlich zu gelten, geb&#228;rden sich Jungen in Opposition zu weiblichem Verhalten.<br />
&#220;berforderung oder Versagen von M&#228;nnern ( eigentlich Alltagserfahrungen von M&#228;nnern, die aber nicht zugegeben werden), bleiben dem Jungen verborgen. Sie finden in Abwesenheit des Jungen statt und werden zu Hause verschwiegen.</p>
<p><strong> Wenn M&#228;nner in der Kindererziehung auftauchen, dann nicht als eigenst&#228;ndige, emotionale Wesen, sondern h&#228;ufig nur als &#8220;Funktionstr&#228;ger&#8221;</strong>:<br />
Das hei&#223;t:</p>
<ol>
<li> als bestrafende oder k&#246;rperlich &#8220;z&#252;chtigende&#8221; Instanz, ( auch von M&#252;ttern als solche instrumentalisiert und eingefordert),</li>
<li>als ausgeruhter Organisator &#8220;spektakul&#228;rer&#8221; Sonntags- Ausfl&#252;ge,</li>
<li>als F&#246;rderer von Aktion und Aggression bei Jungen, die ihn n&#246;tigen, einem Bild von M&#228;nnlichkeit nachzueifern, das bisher kein Mann je erreicht hat.</li>
</ol>
<p>Ist der Mann m&#252;de, tritt er mit Kindern nicht in Kontakt. Er verschwindet hinter der Zeitung oder vor dem Fernseher.<br />
H&#228;ufig gibt es neben funktionalen Begegnungen keinen emotionalen Kontakt zwischen einem gro&#223;en und dem &#8220;kleinen Mann&#8221;. Der Junge erf&#228;hrt also gerade in seiner Kleinheit und Bed&#252;rftigkeit nicht die Anerkennung durch einen Mann.<br />
Die Abwesenheit der M&#228;nner und damit ein Mangel an realen, allt&#228;glichen Erfahrungen, bedeutet, da&#223; keine realen Vorstellungen &#252;ber das, was M&#228;nnlich- Sein hei&#223;t, entwickelt werden.<br />
Die Abwesenheit von M&#228;nnern meint hier nicht nur ein r&#228;umliches oder zeitliches Fehlen. Gemeint ist auch die Abwesenheit eines emotional sp&#252;rbaren m&#228;nnlichen Gegen&#252;bers.<br />
In vielen Seminaren mit Jungen und m&#228;nnlichen Jugendlichen stellten wir fest, dass eben die emotionale Anwesenheit von M&#228;nnern durch Jungen herbeigesehnt wird.</p>
<p><img style="margin: 10px 20px;" title="einsam-mann.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/einsam-mann.jpg" alt="einsam-mann.jpg" hspace="10" vspace="3" width="275" height="220" align="left" />Wir gaben den Jungen folgende Aufgabe:<br />
Sie sollen &#8211; mit Kamera und Tonband ausger&#252;stet &#8211; M&#228;nner auf der Stra&#223;e ansprechen und die Frage stellen, ab wann sie sich als &#8220;richtige&#8221; M&#228;nner gef&#252;hlt h&#228;tten und was sie darunter verstehen w&#252;rden.<br />
Nach Stunden kamen die Jungen wieder.<br />
Die meisten M&#228;nner konnten &#252;berhaupt keine Antwort auf die gestellte Frage geben, und wenn, dann wenig &#252;berzeugend oder widerspr&#252;chlich.</p>
<p>Das Fazit der Jungen war: Die M&#228;nner wissen genausowenig dar&#252;ber wie wir.</p>
<p>Wenn M&#228;nner f&#252;r Jungen nicht anwesend sind, kann ein wesentlicher Teil ihrer Realit&#228;t nicht als real erlebt werden &#8211; die Entwicklung eines realit&#228;tsangemessenen Selbstbildes, aus dem eine stabile Identit&#228;t erwachsen kann, wird verhindert.<br />
Hier entsteht das h&#228;ufig zu beobachtende Ph&#228;nomen, dass Jungen zwar immer wissen, wie ein Mann sein soll &#8211; n&#228;mlich wie He-man, Rambo oder andere Fiktionen aber nichts<br />
Genaues dar&#252;ber sagen k&#246;nnen, was einen Jungen eigentlich ausmacht.<br />
Ein Junge mu&#223; &#8220;M&#228;nnlichkeit&#8221; zu gro&#223;en Teilen in seiner Phantasie bilden. Seine Jungen-Realit&#228;t ist eine &#8220;Als ob M&#228;nner-Realit&#228;t&#8221;.<br />
Das aktuelle Lebensgef&#252;hl eines Jungen lautet: &#8220;Ich bin nichts und muss unter allen Umst&#228;nden ein Mann werden&#8221;.<br />
Er schwingt sozusagen zwischen den Polen &#8220;Held&#8221; in seiner Vorstellung von M&#228;nnlichkeit und &#8220;Hasenfu&#223;&#8221; im realen allt&#228;glichen Erleben seiner Grenzen hin und her.<br />
Verschwiegen wird ihm, dass M&#228;nner nur als tote M&#228;nner &#8220;Held&#8221; genannt werden.<br />
Die Unsicherheit, die aus dem Hin- und Herpendeln entsteht, muss von den Jungen bew&#228;ltigt werden, egal wie.</p>
<p><strong>&#8220;Mannsbilder&#8221; in den Medien wissen, wie mit</strong><strong> Unsicherheit</strong><strong> umzugehen ist:</strong></p>
<p>Den Jungen werden dort zuhauf Inszenierungen ma&#223;loser m&#228;nnlicher &#220;berlegenheit dargeboten. Sie sehen in Filmen M&#228;nner, die einsamen W&#246;lfen gleich,<img style="border: 1px solid black; margin: 10px 20px;" title="sledgehammer1.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/sledgehammer1.jpg" border="1" alt="sledgehammer1.jpg" hspace="5" vspace="0" width="216" height="236" align="right" /> allein gegen die Welt k&#228;mpfen, allen Gefahren gewachsen sind, niemals Hilfe brauchen und keine Angst kennen. In brutalen Filmszenen wird kein furchtvoll agierender Protagonist vorgef&#252;hrt, sondern ein Mann, der auf schlimmste Verletzungen nicht mit Schmerz reagiert, sondern sofort mit Wut und diese &#8220;berechtigte&#8221; Wut in Gewaltorgien auslebt.</p>
<p><strong> Nicht nur das Aus&#252;ben, auch das Erleben von Gewalt geh&#246;rt zum m&#228;nnlichen Lebensalltag, insbesondere f&#252;r Jungen.</strong></p>
<p>Erleben meint Widerfahren, nicht jedoch ein &#8220;Erleiden&#8221;, also eine emotionale Reaktion.<br />
So wird es gesellschaftlich als normal empfunden, dass Frauen und Kinder, nicht aber M&#228;nner bei Geiselnahmen freigelassen werden; damit wird suggeriert, dass M&#228;nner per se, eben weil sie M&#228;nner sind, mit Gewalt besser umgehen, sie besser &#8220;wegstecken&#8221; k&#246;nnen als Frauen oder Kinder.</p>
<p>Was im Gro&#223;en &#252;blich ist, trifft auch Jungen im Alltag.<br />
Ein Junge, der mit einem blauen Auge nach Hause kommt, wird danach gefragt, ob er sich gewehrt hat.<br />
Mann (oder Frau) k&#246;nnte auch fragen: &#8220;Wie geht es dir?&#8221; &#8211; das geschieht jedoch selten.<br />
Die Erziehung von Jungen ist geradezu gespickt mit Botschaften &#8211; Leid, Ohnmacht und Hilflosigkeit als nicht existent zu erkl&#228;ren.<br />
In unserer Arbeit stellen wir immer wieder fest, da&#223; Jungen &#252;ber erlittene Mi&#223;handlung berichten, in einer Art und mit einer Stimme, die emotional v&#246;llig unbeteiligt ist. Kein Schmerz, kein Leid ist sp&#252;rbar &#8211; gerade, als ob sie &#252;ber einen Sonntags &#8211; Ausflug reden w&#252;rden.<br />
Jungen, denen das Weinen aberzogen wird, sind gehindert, gesunde Reaktionen in Form von &#8220;Leiden&#8221; anstelle von &#8220;Wegstecken&#8221; zu leben.<br />
Der &#8220;Indianer, der keinen Schmerz kennt&#8221;, wird sogar dazu gezwungen, Schmerz erst gar nicht mehr wahrzunehmen. Leiden hei&#223;t, den Schmerz wahrnehmen und ihn ausdr&#252;cken, also Schmerz zu empfinden, empfinden zu d&#252;rfen, ohne sich selbst deshalb zu verurteilen. Wegstecken dagegen ist nichts anderes als das, was da ist, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Es hei&#223;t, so zu tun, als ob er nicht vorhanden w&#228;re.<br />
Das ist aber eine Abspaltung von Gef&#252;hlen.</p>
<h3><strong> Ein weiteres Beispiel:</strong></h3>
<p>Der sexuelle Mi&#223;brauch von Jungen wird oft verharmlost.<br />
Dem gepeinigten Jungen wird die Tatsache, Opfer zu sein, aberkannt.<br />
&#8220;Ein m&#228;nnliches Wesen kann nicht vergewaltigt werden&#8221;.</p>
<p><img style="border: 1px solid black; margin: 10px 20px;" title="teddybareinsam.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/teddybareinsam.jpg" border="1" alt="teddybareinsam.jpg" hspace="5" vspace="0" width="207" height="176" align="left" />Im schlimmsten Fall wird die Vergewaltigung sogar als positives Erlebnis umgedeutet, getreu dem Motto:&#8221; Fr&#252;h &#252;bt sich, wer ein Meister werden will.&#8221;<br />
Der Begriff &#8220;m&#228;nnliches Opfer&#8221; erscheint ein Widerspruch in sich, ein Absurdum zu sein.</p>
<p>W&#228;hrend sich &#8211; durch die Frauenbewegung initiiert und durch konkrete parteiliche M&#228;dchenarbeit zu Teilen verwirklicht &#8211; ein neues Frauen /M&#228;dchenbild formiert , und damit der geschlechtstypische Blickwinkel auf Frauen und M&#228;dchen zu einer neuen und anderen Wahrnehmung gef&#252;hrt hat, ist das M&#228;nner- und Jungenbild, nach dem heute Jungen erzogen werden, nach wie vor in gro&#223;en Teilen ein absolutes Vorkriegsmodell.</p>
<h3>Peer-Groups</h3>
<p>Bei Jugendlichen werden die Sozialisationseinfl&#252;sse der Eltern oder LehrerInnen immer geringer, die der &#8220;Peer-Group&#8221; nehmen zu.<br />
An den beschriebenen Bedingungen &#228;ndert sich jedoch nichts, denn treffen mehrere Jungen aufeinander, versuchen sie, sich gegenseitig davon zu &#252;berzeugen, da&#223; sie der beschriebenen Mann &#8211; Norm entsprechen.<br />
Je gr&#246;&#223;er die Unsicherheit und die Angst, je weniger Orientierung jeder einzelne f&#252;r sich hat, um so deutlicher m&#252;ssen sie dieses Versagen vor sich und den anderen verbergen.<br />
Was eignet sich da besser, als betont diesen angenommenen Werten nachzueifern ?<br />
So haben wir h&#228;ufig erlebt, da&#223; Jungen nach einem intensiven und vertrauensvollen Einzelgespr&#228;ch, in dem sie auch ihre Angst oder ihr Bed&#252;rfnis nach Schutz und Anlehnung benennen konnten, sofort ihr Verhalten ins Gegenteil ver&#228;nderten, sobald ein oder mehrere Jungen aus ihrer Gruppe auftauchten. Kontakt und Vertrautheit, die entstanden waren, mussten nach au&#223;en unter allen Umst&#228;nden verborgen werden, um vor der Gruppe das Gesicht zu wahren.</p>
<p>Versch&#228;rfend gilt dann noch, dass schon das blo&#223;e Gef&#252;hl z. B. von Angst de facto schon ein Versagen vor dieser Mann-Norm ist, auch wenn die Angst nach au&#223;en gar nicht sichtbar wird. Denn ein richtiger Mann hat gar keine Angst ! Da aber jeder Mensch Situationen von Angst erlebt, trifft hier eine Gruppe von &#8220;Versagern&#8221; aufeinander. Und sie bem&#252;hen sich, das vor sich und den anderen zu verbergen. Zu leicht entsteht dabei der Eindruck in jedem einzelnen, er selbst sei der einzige &#8220;Versager&#8221;. Und es entsteht der Wunsch nach Vertuschung und Kompensation.<br />
Gewalt dient dann der Leugnung von eigenen Gef&#252;hlen der Unzul&#228;nglichkeit.<br />
Jungen wachsen orientierungslos in einem Raum ohne Grenzen auf. Nur diese plakativen S&#228;tze bieten etwas Halt :</p>
<p>Schw&#228;che gilt als schw&#228;chlich. Weich als weichlich.</p>
<p>Diese Leits&#228;tze m&#252;ssen ein differenziertes und lebbares Vorbild ersetzen.</p>
<h3><strong>Rechtsradikale Jungen und M&#228;nner</strong></h3>
<p><img style="border: 1px solid black; margin: 10px 20px;" title="rechtsrad.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/rechtsrad.jpg" border="1" alt="rechtsrad.jpg" hspace="5" vspace="0" width="281" height="215" align="right" /> Die rechtsradikale Szene benennt klar und eindeutig, was &#8220;m&#228;nnlich&#8221; ist. Zum einen stellt sie damit die vorhandenen althergebrachten Normen der Jungen und jungen M&#228;nner nicht in Frage, sondern best&#228;tigt sie. Die Jungen k&#246;nnen weiter so denken und f&#252;hlen, wie sie es gelernt haben.<br />
Zum anderen bietet die rechtsradikale Szene eine Orientierung in einem ansonsten orientierungslosen Raum. Nur sie ordnet eindeutig in &#8220;richtig&#8221; und &#8220;falsch&#8221;. Es existieren keine Unklarheiten, wie Mann zu f&#252;hlen hat, wie die Welt gesehen werden soll.</p>
<p>Alles hat eine klare, eindeutige Ordnung. Verwirrung und Suchen nach einer eigenen Interpretation der Welt braucht nicht stattzufinden. Statt dessen wird ein geschlossenes Weltbild angeboten.<br />
Zudem ordnet die rechte Szene alle negativen, d. h. &#8220;unm&#228;nnlichen&#8221;, &#8220;falschen&#8221; Eigenschaften von Schw&#228;che, Angst, etc. den Gegnern zu. F&#252;r sie selbst bleiben dann die &#8220;positiven&#8221;, d.h. &#8220;richtigen&#8221;, &#8220;m&#228;nnlichen&#8221;, &#8220;starken&#8221; Eigenschaften &#252;brig. Es ist beruhigend, zu den &#8220;Richtigen&#8221; zu geh&#246;ren, und gibt Halt in einer ansonsten als haltlos erlebten Welt.<br />
Implizit lernen alle Jungen diese Leits&#228;tze, erleben aber gleichzeitig, dass sie im Jungenalltag oft untauglich sind.<br />
Im Rechtsradikalismus werden Werte gelehrt und durchgehalten. Die anderen sind &#8220;Versager&#8221;, sind &#8220;schwach&#8221;, &#8220;unm&#228;nnlich&#8221;. Die eigene Gruppierung und damit das eigene St&#252;ckchen Mann-Selbst ist nur &#8220;stark&#8221;, &#8220;positiv&#8221;, &#8220;richtig&#8221;, also &#8220;m&#228;nnlich&#8221;.<br />
Das Erleben eigener Schw&#228;che kann auf diese Art und Weise v&#246;llig vermieden werden. Endlich ist man ein Mann.</p>
<h3><strong style="font-size: 16px"> Funktion von Gewalt</strong></h3>
<p>K&#246;rperliche Rangeleien haben manchmal, nach unseren Erfahrungen, eigentlich einzig die Funktion, zu einem anderen Jungen (oder Mann) k&#246;rperlichen Kontakt haben zu k&#246;nnen, ohne als schwul zu gelten.<br />
Jungen wachsen in einem grenzen- und orientierungslosen Raum auf. Ihnen wird nahegelegt, sich auszutoben, was nichts anderes bedeutet, als sich noch grenzenloser zu verhalten. Doch das verst&#228;rkt nur das Erleben von Orientierungslosigkeit.<br />
Die M&#246;glichkeit durch Reaktionen der Umwelt, in diesem Fall durch Reaktionen von m&#228;nnlichen Mitmenschen, Orientierung zu finden, entf&#228;llt, weil h&#228;ufig keine reagierenden, in Kontakt tretende M&#228;nner im Umfeld existieren. (Die blo&#223;e Anwesenheit von sich selbst als Menschen definierenden M&#228;nnern reicht hier nicht aus).</p>
<blockquote>
<div>a. Um eine Reaktion zu erhalten,<br />
b. fordern manche Jungen sie ein.<br />
c. Geschieht dann immer noch nichts,<br />
d. so steigern sie den Nachdruck.<br />
e. Die Jungen werden lauter,<br />
f. brutaler<br />
g. und schlie&#223;lich gewaltt&#228;tig gegen Sachen,<br />
h. letztendlich dann sogar gegen ihre Mitmenschen.<br />
i. Allersp&#228;testens jetzt reagiert die Gesellschaft :<br />
k. Strafe durch eine (m&#228;nnliche) Polizei und (m&#228;nnliche) Richter.</div>
</blockquote>
<div>
<h3><strong>Gewalt erzwingt Reaktion.</strong></h3>
</div>
<p>Erst jetzt werden die Jugendlichen oder ihre Gruppierung als existent zur Kenntnis genommen.<br />
Erst jetzt erlebt der Junge ein erwachsenes, m&#228;nnliches Gegen&#252;ber.<br />
Zum Jungen- und Mann-Sein geh&#246;rt das Thema Gewalt wie Essen und Trinken. <img style="border: 1px solid black; margin: 10px 20px;" title="schlafendegangsta1.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/schlafendegangsta1.jpg" border="0" alt="schlafendegangsta1.jpg" hspace="7" vspace="3" width="261" height="203" align="left" />Aggressives Verhalten wird Jungen nahegelegt. Sie sollen toben. Ein Junge, der sich nicht pr&#252;gelt, ist kein richtiger Junge ( Im Gegensatz zu : Ein M&#228;dchen, das sich pr&#252;gelt, ist kein richtiges M&#228;dchen). Die Jungen, die k&#246;rperliche Auseinandersetzungen meiden, zweifeln bis in ihr Erwachsenenalter an ihrem Mann-sein, wie wir in Gespr&#228;chen immer wieder h&#246;ren. Ja selbst f&#252;r diejenigen, die k&#246;rperliche Auseinandersetzungen nur mit Angst eingegangen sind, hat allein schon die Angst dieselben emotionalen Konsequenzen.<br />
Auch ein erwachsener Mann darf k&#246;rperlichen Auseinandersetzungen nicht ungest&#246;rt ausweichen: Sein &#8220;Mann-sein&#8221; ger&#228;t ins Wanken. Er f&#252;hlt sich als Versager, gleich wie vern&#252;nftig er auch gehandelt hat. Der Mann erlebt sich einem inneren Zwang ausgesetzt, der der Vernunft nicht zug&#228;nglich ist. Oft genug gibt der Mann diesem Zwang nach &#8211; wider besserem Wissen. Erst auf dem Hintergrund des verbreiteten M&#228;nner-Bildes k&#246;nnen wir in unserer Arbeit diese Art der Gewalt abbauen.<br />
W&#228;hrend eine Frau aus offen zugegebener Furcht vor &#220;bergriffen z.B. ein Taxi nehmen darf, steht dieses Verhalten einem Mann nicht zu. Er darf Bequemlichkeit, keinesfalls aber Angst als Motiv nennen. Und das, obwohl M&#228;nner 4 bis 8 mal so h&#228;ufig Opfer k&#246;rperlicher Gewalttaten werden (Statistik des Bundeskriminalamtes, Wiesbaden 1992 &#8211; 2004).</p>
<p><img style="margin: 10px 20px;" title="pfleilrechtsrot.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/08/pfleilrechtsrot.jpg" alt="pfleilrechtsrot.jpg" hspace="5" width="77" height="85" align="left" /><strong> Die Empfindung Angst angesichts von k&#246;rperlicher Bedrohung steht M&#228;nnern nicht zu.</strong><br />
Eine M&#246;glichkeit, diese Empfindung vor anderen wie auch vor sich selbst geheim zu halten, ist: Selbst gewaltt&#228;tig zu werden.<br />
Das Bild des furchtlosen Mannes ist gewahrt &#8211; zumindest vor der Au&#223;enwelt.<br />
Je mehr dieses Imago bedroht ist, um so massiver wird nach au&#223;en eine Gegendemonstration inszeniert.<br />
Gewalt dient so der Schaffung und Erhaltung von m&#228;nnlicher Identit&#228;t.</p>
<h3>Folgen traditioneller Jungensozialisation</h3>
<p>Die Folgen traditioneller Jungensozialisation lassen sich &#8220;hautnah&#8221; durch einige Zitate eines Mannes wiedergeben, dessen Kindheit vom fr&#252;hen Tod des Vaters, permanenter Abwesenheit des Gro&#223;vaters und einer sowohl beherrschten als auch beherrschenden Mutter gepr&#228;gt war.<br />
In seinen Reden raunt er von Blut und Tr&#228;nen, f&#252;r ihn ist Krieg eine Denkweise und als solche eine Stufe der menschlichen Evolution.</p>
<blockquote><p><strong><em> &#8220;Irgendwie sind wir Menschen tier&#228;hnlich&#8221;, sagt er,&#8221; wir alle leben auf Kosten anderer&#8221;.</em></strong></p></blockquote>
<p>Der Vergleich zwischen Menschen ( gleich M&#228;nnern) und Tieren findet sich bei traditionellen M&#228;nnern h&#228;ufig. Aggressivit&#228;t wird nach dem Dampfkesselmodell erkl&#228;rt, die Gewalt als etwas Externes erlebt, was &#8220;&#252;ber einen kommt&#8221;, und was quasi triebgesteuert &#8220;raus mu&#223;&#8221;. Mit Hilfe dieser Sichtweise entzieht der Mann sich der Verantwortung f&#252;r sein gewaltt&#228;tiges Verhalten.</p>
<blockquote><p><strong><em> &#8220;Um uns zu ver&#228;ndern, mu&#223; es eben erst saum&#228;&#223;ig schlecht gehen!&#8221;</em></strong></p></blockquote>
<p>Solche Lebenseinstellung findet man ebenfalls bei fast allen traditionellen M&#228;nnern. Betrachtet man diese Einstellung genauer, so steht dahinter immer die Tatsache einer fast v&#246;lligen Abspaltung aller Gef&#252;hle, die eine Konnotation von Schw&#228;che aufweisen. Unterst&#252;tzung suchen und Hilfe annehmen schon bei Beginn einer Krise bedeutet f&#252;r traditionelle M&#228;nner das Infrage-Stellen eben dieser M&#228;nnlichkeit.<br />
Die M&#246;glichkeit, zwischen verschiedenen Alternativen zu w&#228;hlen, gibt es dann nicht mehr. Nur noch ein &#8221; Augen zu und durch&#8221; auf dem gleichen Pfad wie immer.</p>
<blockquote><p><strong><em> &#8220;In Auseinandersetzungen werfe ich meine ganze Person in die Waagschale, mit dem Risiko, da&#223; es auch gegen mich ausgehen kann. Es geht dann existentiell um ihn oder mich, mit allem, was bei dem dranh&#228;ngt und bei mir dranh&#228;ngt.&#8221;</em></strong></p></blockquote>
<p>Aus einer Sachentscheidung wird eine ausschlie&#223;lich pers&#246;nliche Auseinandersetzung und schlie&#223;lich ein &#220;berlebenskampf.<br />
Diese &#8220;alles oder nichts&#8221; , &#8220;er oder ich&#8221;- Mentalit&#228;t ist ebenfalls m&#228;nnertypisch. Herrschsucht und Rivalit&#228;t stehen anstelle von Kompromissbereitschaft und sozialer Kompetenz.</p>
<blockquote><p><strong><em> Ich finde mich &#8220;kantig und eckig&#8221;, und ich finde es tr&#246;stlich, &#8220;da&#223; ich das wei&#223;, und da&#223; sich das nicht ver&#228;ndern wird&#8221;.</em></strong></p></blockquote>
<p>Ein Junge, der sich kantig und eckig verh&#228;lt, hat anders h&#228;ufig keine Chance, wahrgenommen zu werden. &#8220;Tr&#246;stlich&#8221; ist es f&#252;r viele M&#228;nner, dass dieser Mechanismus auch im M&#228;nneralltag funktioniert.<br />
Ihre soziale Inkompetenz wird zu &#8220;kantig und eckig&#8221; besch&#246;nigt.</p>
<blockquote><p><strong><em> &#8220;Ich habe ein extrem hohes Mi&#223;trauen gegen&#252;ber anderen, die man f&#252;r v&#246;llig normal h&#228;lt.&#8221;</em></strong></p></blockquote>
<p>Traditionelle M&#228;nner misstrauen allen, w&#228;hnen &#252;berall Feinde, definieren dieses abgrundtiefe Misstrauen h&#228;ufig aber als eine m&#228;nnliche Tugend.<br />
Paradoxerweise sind sie mit ihrem Misstrauen &#8220;v&#246;llig normal&#8221;. Ihre Unf&#228;higkeit , mit Menschen in Kontakt zu treten, ihre Angst vor Situationen, in denen sie das tun m&#252;&#223;ten, nehmen sie nicht als eigene Angst wahr, sondern geben an, die Bedrohung k&#228;me von au&#223;en.<br />
Genau so verdreht jeder Gewaltt&#228;ter die Realit&#228;t, indem er sagt, seine Gewalt w&#228;re nur die berechtigte Reaktion auf Bedrohungen von au&#223;en. In seiner Wahrnehmung ist er selbst niemals am Proze&#223; der Eskalation beteiligt gewesen.</p>
<blockquote><p><strong><em> &#8220;Ich lasse mit Wissen die Leute, wenn ich das Vertrauen verloren habe, am Wege verhungern&#8221;. ( alle Zitate aus: SPIEGEL Nr . 31/1993)</em></strong></p></blockquote>
<p style="border-top: thin ridge #ffffff">Sich an der Ohnmacht anderer zu weiden, die einem das Gef&#252;hls -Surrogat scheinbarer eigener St&#228;rke vermittelt, und in der man sich dann selbst nicht mehr als ohnm&#228;chtig erlebt, ist ebenfalls eine typische traditionell m&#228;nnliche Eigenschaft.</p>
<p style="border: thick double #e1e1e1">Die erw&#228;hnten Zitate stammen nicht etwa von einem Protagonisten einer rechtsradikalen Vereinigung, sondern von Herrn Piëch, dem Vorstandsmann aus der VW-F&#252;hrungsetage.</p>
<h3>Umgang mit auff&#228;lligen, gewaltbereiten Jugendlichen:</h3>
<h3><strong> a. Resozialisierungsma&#223;nahmen</strong></h3>
<p>Solche Ma&#223;nahmen werden dort angewandt, wo Jungen durch Grenz&#252;berschreitungen straff&#228;llig wurden, oder drohen, es zu werden. Ausgeblendet wird, dass die Gewalt ein Teil und Ausdruck ihrer Sozialisation darstellt. Wohin soll dann zur&#252;cksozialisiert werden?<br />
So w&#252;rden nur die alten Strukturen manifestiert, ohne sie zu erneuern.</p>
<h3><strong> b. Abenteuerp&#228;dagogik</strong></h3>
<p>P&#228;dagogen mi&#223;deuten sehr h&#228;ufig Aggression und Gewalt von Jungen. Das Verhalten wird verstanden als Sehnsucht danach, Kr&#228;fte zu messen, sich zu fordern, St&#228;rke zu zeigen, kurzum, sich k&#246;rperlich nach Dampfkesselmanier auszutoben. Die Grenzenlosigkeit des Verhaltens wird von den P&#228;dagogen zwar gesehen, die dahinter stehende Orientierungslosigkeit nach m&#228;nnlicher Identit&#228;t jedoch h&#228;ufig &#252;bersehen.<br />
Manche Abenteuer-P&#228;dagogen best&#228;rken die Jungen in ihrem grenzenlosen Verhalten, das genau besehen nur eine m&#228;nnliche Abwehrstrategie darstellt, anstelle Halt gebende Orientierung zu vermitteln. Sie warten einfach, bis dass die Jungen m&#252;de und ausgetobt sind.<br />
Hinzu kommt, dass Jungen sich ihre Abenteuer in der Realit&#228;t holen; daf&#252;r brauchen sie keine P&#228;dagogen.</p>
<h3><strong> c. Offene Jugendarbeit</strong></h3>
<p>Der Begriff klammert aus, dass &#8220;Jugendliche&#8221; in den &#8220;H&#228;usern der Jugend&#8221; zum weitaus gr&#246;&#223;eren Teil Jungen sind. &#8220;Offene Arbeit&#8221; findet vorwiegend mit Jungen statt, ohne dass das Geschlecht und die damit verbundenen Folgen f&#252;r sie selbst und die M&#228;dchen thematisiert werden.</p>
<h3><strong> d. &#8220;Politisierung von rechtsradikalen Jugendlichen&#8221;</strong></h3>
<p>P&#228;dagogen als intellektuell geschulte Menschen versuchen,<br />
rechtsextrem orientierte Jugendliche aufzukl&#228;ren. Das hei&#223;t., P&#228;dagogen informieren die Jugendlichen &#252;ber den Faschismus, &#252;ber die Gewalttaten der Nazis, &#252;ber Judenvernichtung, &#252;ber den Zweiten Weltkrieg. Die Jugendlichen nicken dazu, aber ihre Einstellung &#228;ndert sich nicht. H&#228;ufig genug streiten sie diese Tatsachen &#252;berhaupt nicht ab, ohne jedoch Konsequenzen f&#252;r sich daraus zu ziehen. &#8220;Trotzdem schl&#228;gt mein Herz deutsch&#8221;, hei&#223;t es dann zum Beispiel. Eine Distanzierung vom Rechtsradikalismus findet nicht statt.<br />
Wissen ver&#228;ndert weder die Einstellung noch das Verhalten.<br />
Zur&#252;ck bleiben ratlose P&#228;dagogen.</p>
<h3><strong> e. P&#228;dagogen sehen weg.</strong></h3>
<p>Rechtsradikalismus und Gewalt sind unangenehme Themen, die gro&#223;es Unbehagen ausl&#246;sen. P&#228;dagogen f&#252;hlen sich &#252;berfordert, nicht zuletzt auch auf Grund der oben (d.) beschriebenen Erfahrung. Sie f&#252;hlen sich selbst bedroht. Gewalt ist darauf angelegt, Angst zu erzeugen. Wenn jemand Gewalt ausstrahlt, erzeugt er beim Gegen&#252;ber Angst. Diese Angst erlebt dann auch der P&#228;dagoge. Um die eigene Angst, das Bedroht-Sein und die &#220;berforderung nicht wahrnehmen zu m&#252;ssen, wird diese Situation vermieden und diesen Menschen aus dem Wege gegangen. Rechtsradikale Jugendliche erzeugen meist nur Frustration und Angst. Sie werden aus der Wahrnehmung gestrichen. Der Kontakt zu ihnen wird gemieden.<br />
In Supervisionen erfahren wir, da&#223; P&#228;dagogen-Teams dann Vereinbarungen treffen, die da lauten:<br />
&#8220;Wer rechtsradikale und gewaltt&#228;tige Handlungen sieht, k&#252;mmert sich darum.&#8221;</p>
<p>Solche Absprachen haben dann den gegenteiligen Effekt. Denn sie bedeuten auch:<br />
Wer nichts sieht, braucht auch nicht zu handeln. Im Umgang mit gewaltt&#228;tigen Jungen &#8211; beispielsweise die Rauferei auf dem Schulhof &#8211; zeigen Lehrer andere Verhaltensweisen als Lehrerinnen. Bereits zu Beginn der eskalierenden Situation verlassen die M&#228;nner den Schulhof und holen ihre Kolleginnen zum Schlichten des Streites, angeblich, weil Frauen das besser k&#246;nnten. Doch auch dieses Verhalten enth&#228;lt f&#252;r die raufenden Jungen eine Mitteilung:<br />
M&#228;nner k&#246;nnen sich schlagen, sich zu vertragen aber ist Frauensache. M&#228;nnern fehlen dazu die M&#246;glichkeiten.</p>
<h3><strong> f: Coolnesstrainings, Boxkurse f&#252;r Gewaltt&#228;ter, Anti-Aggressions-Trainings</strong></h3>
<p>Wie die &#220;berschriften schon sagen: Hier werden die Folgen der traditionellen Jungensozialisation sicher noch verst&#228;rkt, anstelle sie durch etwas neues zu ersetzen.</p>
<h3><img style="margin: 10px 20px;" title="cool.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/cool.jpg" alt="cool.jpg" hspace="10" vspace="3" width="150" height="170" align="left" /></h3>
<p>H&#228;rte, der Verzicht auf Emotionen selbst beim Erleben h&#228;rtester Provokationen sind Ziele der Trainings. Die &#8220;Jungs&#8221; sollen cool werden, noch cooler, als sie eh schon sind.<br />
Die P&#228;dagoginnen und P&#228;dagogen sind die Provokateure oder die Schiedsrichter im Kampf. Die Jungen lernen erneut: Gewalt ist nur gewaltt&#228;tig &#8220;auszutreiben&#8221;. Ziel der Aktionen ist h&#228;ufig: &#8220;Aushalten um jeden Preis!&#8221;<br />
Um die Sch&#228;digungen traditioneller Jungen-Sozialisation in der Arbeit mit Jungen ver&#228;ndern zu k&#246;nnen, bedarf es nach unserer Erfahrung einer klar geschlechtstypisch orientierten Arbeitskonzeption, die in geschlechtshomogenen Gruppen mit Jungen durch m&#228;nnliche P&#228;dagogen vorgenommen werden sollte.<br />
<a href="http://taeterarbeit.eu/88/der-box-boot-erziehungscamp-hype-oder-wie-sehr-unsere-gesellschaft-jungen-und-maennliche-jugendliche-verachtet.html" target="_blank"> Eine Ver&#228;nderung des Geschlechterverh&#228;ltnisses kann nicht &#252;ber eine Verdammung des M&#228;nnlichen oder des Mannes stattfinden.</a> Diese Strategie findet sich in Str&#246;mungen der sogenannten M&#228;nnerbewegung. &#8220;Sogenannt&#8221; deshalb, weil sie genau wegen dieses Vorgehens f&#252;r M&#228;nner und Jungen in der Regel unattraktiv und deshalb auf eine kleine Zahl von &#8220;bewegten&#8221; M&#228;nnern beschr&#228;nkt geblieben ist.<br />
So bedeutet sie allzu h&#228;ufig eine &#8220;Ver&#228;nderung gegen die M&#228;nner&#8221;. Ohne positives Angebot F&#220;R Jungen wird sich keiner von ihnen ver&#228;ndern!</p>
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		<title>Ziele und Inhalte</title>
		<link>http://www.gewaltpaedagogik.de/gewaltpaedagogik/ziele-und-inhalte.html</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Aug 2007 07:30:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Forum Intervention</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitbild]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[gewalttätige Jugendliche]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendgewalt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.beeltern.de/26/ziele-und-inhalte.html</guid>
		<description><![CDATA[&#8230;der &#8220;m&#228;nnlichen P&#228;dagogik zur haltgebenden Orientierung&#8221; Erlebte Defizite werden von Jungen eher als pers&#246;nlicher Fehler denn als typisch f&#252;r die ihnen zugedachten Verhaltensweisen und Eigenschaften gesehen. M&#228;nner erleben sich als individuelle Wesen, die individuell versagen. Sie suchen deshalb individuelle L&#246;sungswege, scheitern dabei aber h&#228;ufig und verst&#228;rken so eher noch das dysfunktionale m&#228;nnliche Verhalten. Das Erleben [...]]]></description>
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<p><strong>&#8230;der &#8220;m&#228;nnlichen P&#228;dagogik zur haltgebenden Orientierung&#8221;</strong></p>
<p>Erlebte Defizite werden von Jungen eher als pers&#246;nlicher Fehler denn als typisch f&#252;r die ihnen zugedachten Verhaltensweisen und Eigenschaften gesehen. M&#228;nner erleben sich als individuelle Wesen, die individuell versagen. Sie suchen deshalb individuelle L&#246;sungswege, scheitern dabei aber h&#228;ufig und verst&#228;rken so eher noch das dysfunktionale m&#228;nnliche Verhalten.<br />
Das Erleben von Versagen ist aber nicht nur ein Problem des einzelnen, sondern Teil m&#228;nnlicher Erfahrungen. So betrachtet, mu&#223; es nicht vor anderen, also den “richtigen”, scheinbar nie versagenden M&#228;nnern vertuscht werden, sondern kann als normaler Bestandteil erfahren werden.<br />
Die Einbeziehung und Wahrnehmung des geschlechtertypischen Sozialisationsdrucks erweist sich in der Arbeit als sehr erfolgreich.<br />
Man mu&#223; in der Jungenarbeit davon ausgehen, da&#223; Jungen in der Regel sehr wenig ge&#252;bt sind, ihre eigene Geschlechterrolle als Teil ihrer Identit&#228;t zu erleben. In der Arbeit mit Jungen mu&#223; st&#228;rker noch als bei den M&#228;dchen am Anfang eine Sensibilisierung f&#252;r das eigene Geschlecht geschaffen werden. Das vordringliche Ziel unserer Arbeit ist also, den Jungen bewu&#223;tzumachen, welche Auswirkungen ihr eigenes zum Teil gewaltt&#228;tiges Verhalten f&#252;r sie, f&#252;r andere Jungen und auch f&#252;r M&#228;dchen und Frauen hat.<br />
Die Jungen erfahren, da&#223; ihr Rollenscheitern nicht ein individuelles Versagen ist, sondern da&#223; fast alle Jungen diese Probleme haben.<strong> </strong></p>
<p>Auf dieser Grundlage kann der Boden f&#252;r eine Erweiterung des Selbstkonzeptes der Jungen mit positiven m&#228;nnlichen Eigenschaften, Emotionalit&#228;t und Verhaltensweisen durch das Infragestellen in ihrer Absolutheit &#252;berzogener traditioneller “M&#228;nnlichkeitstugenden” bereitet werden.<br />
Unsere Jungenarbeit ist daher parteilich: Wir solidarisieren uns als M&#228;nner mit den Problemen der Jungen.<br />
Wir bieten ihnen eine Orientierung durch transparente Pr&#228;senz, entsolidarisieren uns aber in jedem Fall eindeutig von gewaltt&#228;tigem Verhalten.</p>
<p>Auf der Ebene der Wissensaneignung lassen sich folgende Ziele beispielhaft benennen:</p>
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		<title>Jungenarbeit</title>
		<link>http://www.gewaltpaedagogik.de/gewaltpaedagogik/jungenarbeit.html</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Aug 2007 07:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Forum Intervention</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitbild]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.gewaltpaedagogik.de/?p=80</guid>
		<description><![CDATA[Jungen sollen erkennen: Geschlechtstypisches Verhalten ist nicht generell angeboren, sondern haupts&#228;chlich anerzogen. Es ist gelernt und kann sich ver&#228;ndern. Das vorherrschende Bild vom Mann, dem viele M&#228;nner nachstreben, ist eine “Idealvorstellung” die kein Mann je erreicht. Selbst Rambo ist privat nur Silvester Stallone. Sogenannte “m&#228;nnliche Tugenden” wie Selbstbeherrschung, Gelassenheit (cool sein), Festigkeit, Distanziertheit, St&#228;rke, &#220;berlegenheit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p><a href="http://www.gewaltpaedagogik.de/wp-content/uploads/2007/08/gewaltpaedagogik.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-123" title="gewaltpaedagogik" src="http://www.gewaltpaedagogik.de/wp-content/uploads/2007/08/gewaltpaedagogik-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p><em><strong>Jungen sollen erkennen:</strong></em></p>
<blockquote>
<ul>
<li><strong>Geschlechtstypisches Verhalten ist nicht generell angeboren, sondern haupts&#228;chlich anerzogen. Es ist gelernt und kann sich ver&#228;ndern.</strong></li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Das vorherrschende Bild vom Mann, dem viele M&#228;nner nachstreben, ist eine “Idealvorstellung” die kein Mann je erreicht. Selbst Rambo ist privat nur Silvester Stallone.</strong></li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Sogenannte “m&#228;nnliche Tugenden” wie Selbstbeherrschung, Gelassenheit (cool sein), Festigkeit, Distanziertheit, St&#228;rke, &#220;berlegenheit, Strenge etc. machen in ihrer m&#228;nnlichen Idealisierung und Absolutheit eine Panzerung des Gef&#252;hlslebens und des K&#246;rpers notwendig, so da&#223; sich der Junge/Mann t&#228;glich selbst Gewalt antun mu&#223;, um diese Fassaden aufrecht zu erhalten.</strong></li>
</ul>
</blockquote>
<ul>
<li><em><strong>Jungenarbeit, so wie wir sie verstehen, stellt einen Raum zur Verf&#252;gung, in dem Jungen:</strong></em></li>
</ul>
<blockquote>
<ul>
<li><strong>lernen k&#246;nnen, das allt&#228;gliche Gef&#252;hlsleben bewu&#223;t in die eigene Hand zu nehmen. Auch sie k&#246;nnen f&#252;r eine angenehme Atmosph&#228;re im Umgang miteinander sorgen.</strong></li>
</ul>
<ul>
<li><strong>sensibler werden f&#252;r fremde und eigene Bed&#252;rfnisse, &#252;berhaupt f&#252;r den zwischenmenschlichen Umgang. Im psychologischen Sinne meint diese “Kontaktf&#228;higkeit”, sich selbst und gleichzeitig das Gegen&#252;ber wahrnehmen zu k&#246;nnen.</strong></li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Freiheit, Lust, Bed&#252;rfnisbefriedigung, Anerkennung nicht auf Kosten anderer zu erleben &#8211; sie aber wirklich von anderen M&#228;nnern zu bekommen.<br />
</strong></li>
</ul>
<ul>
<li><strong>dadurch erfahren Jungen, da&#223; auch M&#228;nner begabt sind mit Gef&#252;hlen und W&#228;rme, da&#223; Beziehungen unter M&#228;nnern nicht gepr&#228;gt sein m&#252;ssen von n&#252;chterner Sachlichkeit und Rivalit&#228;t, sondern auch von Sympathie, die den ganzen Menschen einbezieht. Sie k&#246;nnen so erkennen, da&#223; emotionale M&#228;nner nicht “schwul” oder “Weichlinge” sind.</strong></li>
<li><strong>durch Abbau der Gef&#252;hlsabwehr neue Erfahrungen mit allen Sinnen, mit dem eigenen K&#246;rper machen k&#246;nnen, um sich selbst besser wahrzunehmen.</strong></li>
</ul>
</blockquote>
<p>Eine solche Arbeit steht in einem permanenten Spannungsfeld zwischen Empathie und Konfrontation, von Beziehungsangebot und eindeutiger Distanzierung von gewaltt&#228;tigem Verhalten.<img style="margin: 10px 20px;" title="man.jpg" src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/man.jpg" alt="man.jpg" hspace="10" vspace="3" width="125" height="125" align="right" /></p>
<p>Diese Arbeit mu&#223; sinnvollerweise von M&#228;nnern geleistet werden, die dem Jungen auch und besonders auf der emotionalen Ebene ein transparentes Gegen&#252;ber anbieten, um die Entwicklung einer realit&#228;tsbezogenen, positiven Geschlechtsidentit&#228;t zu erm&#246;glichen und zu f&#246;rdern.</p>
<p>Unsere Arbeit ist gepr&#228;gt von F&#246;rderung und Unterst&#252;tzung und nicht von einem letztlich zerst&#246;rerischem “Kampf”.<br />
Jungen fehlt der real erlebbare Mann, der sich nicht hinter p&#228;dagogischen Berufen oder Funktionen verbirgt. Jungen suchen Grenzen auf, um Orientierung zu finden. Im real erlebten Kontakt k&#246;nnen M&#228;nner ihnen das bieten, bevor Jungen gewaltt&#228;tig werden m&#252;ssen. Aber nur ehrliche Antworten k&#246;nnen diese Orientierung geben. Antworten, die sich nicht in Floskeln ergehen, sondern auch als erlebte Qualit&#228;t des Mannes dem Jungen zug&#228;nglich sind.</p>
<p>Frauen k&#246;nnen diese Arbeit nicht leisten.</p>
<p>Ein positives M&#228;nnerbild k&#246;nnen sie Jungen nicht vorleben.<br />
Versuchen sie es dennoch, so verst&#228;rken sie den Proze&#223; der fehlenden “Triangulierung”, also der Tatsache, da&#223; durch sie Jungen nur wissen, wovon sie sich wegzuentwickeln haben.<br />
Jungen brauchen zu ihrer Entwicklung M&#252;tterlichkeit und V&#228;terlichkeit, nicht aber scheinbar geschlechtslose P&#228;dagogen und Elternteile.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>M&#228;nnerbild und Frauenbild</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Aug 2007 13:31:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Forum Intervention</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitbild]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltberatung]]></category>

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		<description><![CDATA[zitiert aus: Leitbild der Gewaltberatung Gewaltt&#228;tige Jungen und M&#228;nner orientieren sich , wie wir bereits gesehen haben, in der Interpretation ihres Erlebens und ihren daraus motivierten Handlungen oft an einem tradierten unerreichbaren Idealbild von M&#228;nnlichkeit ( M&#228;nner l&#246;sen alle Probleme alleine, M&#228;nner empfinden keine „schwachen Gef&#252;hle” wie Angst, Hilflosigkeit, Einsamkeit, Ohnmacht usw.…) Jeder Versuch, dieses [...]]]></description>
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<p><a title="Leitbild der Gewaltberatung" href="http://intervenieren.de/wp" target="_blank">zitiert aus: Leitbild der Gewaltberatung </a></p>
<p>Gewaltt&#228;tige Jungen und M&#228;nner orientieren sich , wie wir bereits gesehen haben, in der Interpretation ihres Erlebens und ihren daraus motivierten Handlungen oft an einem tradierten unerreichbaren Idealbild von M&#228;nnlichkeit ( M&#228;nner l&#246;sen alle Probleme alleine, M&#228;nner empfinden keine „schwachen Gef&#252;hle” wie Angst, Hilflosigkeit, Einsamkeit, Ohnmacht usw.…)</p>
<p>Jeder Versuch, dieses abstrakte Idealbild zu erf&#252;llen, stellt per se eine &#220;berforderung dar, und ist somit zum Scheitern verurteilt.<br />
Tagt&#228;glich setzten sich Jungen und heranwachsende M&#228;nner damit auseinander, ob sie ein „richtiger Junge“ sind, der zu einem „richtigen Mann“ wird.</p>
<p>Die Angst vor der (vorbewu&#223;t) wahrgenommenen Unf&#228;higkeit, die Anspr&#252;che ihrer Geschlechtsidentit&#228;t erf&#252;llen zu k&#246;nnen, ist etwa so weit verbreitet wie der Bartwuchs.<br />
So f&#252;hlenM&#228;nner und Jungen sich in Folge h&#228;ufig isoliert, hilflos und ohnm&#228;chtig.</p>
<p>Das wiederum kann sich der Einzelne nicht eingestehen, da er sonst Gefahr l&#228;uft, in der eigenen Interpretation seiner Geschlechtsidentit&#228;t v&#246;llig versagt zu haben.</p>
<h3><strong>Frauenbild und weibliche Gewaltt&#228;terinnen</strong><a href="http://www.gewaltpaedagogik.de/wp-content/uploads/2010/03/gewaltpaedagogik2.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-128" title="gewaltpaedagogik2" src="http://www.gewaltpaedagogik.de/wp-content/uploads/2010/03/gewaltpaedagogik2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></h3>
<p>Werden M&#228;dchen oder Frauen gewaltt&#228;tig, so wird dies gesellschaftlich als atypisch zum geschlechts-rollenkonformen Verhalten betrachtet.</p>
<p>Dieser Zusammenhang hat vielerlei m&#246;gliche Auswirkungen:</p>
<blockquote><p>* weibliche Gewalt wird h&#228;ufiger „&#252;bersehen“ als m&#228;nnliche Gewalt,<br />
* weibliche Gewalt wird eher als „Notwehr“ umgedeutet, da es sich unter dieser Bedingung um rollenkonformes Verhalten handeln w&#252;rde,<br />
* weibliche Gewalt appelliert eher an das „Mitleid-Empfinden“ als m&#228;nnliche Gewalt, die in jedem Fall als offensive Gewalt gedeutet wird.<br />
* T&#228;terinnen k&#246;nnen so m.E. damit rechnen, als „ eigentliches Opfer“ der Situation gesehen zu werden,<br />
* dadurch sind Bagatellisierungen der Tat (en) sowohl auf T&#228;terinnen-Seite als auch auf Seiten des Hilfesystems bzw. der Strafverfolgung wenn nicht vorprogrammiert, so doch wahrscheinlich.</p></blockquote>
<p>Insofern &#228;ndern sich nat&#252;rlich auch die Gewaltdynamik und der Gewaltkreislauf der T&#228;terinnen im Vergleich zu den m&#228;nnlichen T&#228;tern.</p>
<p>Gewaltberatung und Gewaltp&#228;dagogik mit T&#228;terinnen bedarf daher einer genauen Kenntnis der geschlechtstypischen Hintergr&#252;nde, vor denen die Taten passieren und wahrgenommen werden.</p>
<h3><strong>Gewalt als Versuch einer Krisenbew&#228;ltigung</strong></h3>
<p>Das Aus&#252;ben von Gewalt w&#228;hlt jeder T&#228;ter/jede T&#228;terin als einen m&#246;glichen, zuerst entlastenden, aber auf Dauer erfolglosen Versuch der Krisenbew&#228;ltigung.</p>
<p>Durch Gewalthandlungen vermeiden die Gewaltt&#228;tigen innere und &#228;u&#223;ere Konflikte, anstatt diese l&#246;sungsorientiert anzugehen.</p>
<p>Gewaltt&#228;tige verhalten sich im Alltag &#252;berwiegend sozial angepa&#223;t bzw. &#252;berangepa&#223;t.</p>
<p>Konfliktvermeidungen sind an der Tagesordnung; die eigenen Grenzen sind h&#228;ufig unklar, und daher ist die Person kaum in der Lage, sich wenn n&#246;tig abzugrenzen.</p>
<p>Hier spielt Aggression eine Rolle, denn die F&#228;higkeit zur Aggression ist wichtig, um Grenzen ziehen zu k&#246;nnen.</p>
<h3>Kompensation von Gef&#252;hlen</h3>
<p>Gewalt ist somit nie ein Zeichen von St&#228;rke, sondern dient der Kompensation von Emotionen, die mit der Konnotation von Schw&#228;che assoziiert werden. Durch das Aus&#252;ben von Gewalthandlungen kompensieren Gewaltt&#228;tige ihre Gef&#252;hle wie beispielsweise :</p>
<blockquote><p>Einsamkeit,<br />
sich “unterlegen” f&#252;hlen,<br />
Hilflosigkeit,<br />
Ohnmacht oder<br />
Verzweiflung.</p></blockquote>
<p>Die Gewalttaten dienen dazu, das Erleben dieser Emotionen abzuwehren.<br />
Wer schl&#228;gt oder anderweitig gewaltt&#228;tig ist, “kann” sicher nicht hilflos sein.<br />
Er oder sie ist ja aktiv, handelt und ist wieder “autonom”. Die eigentlich “hilflosen”<br />
Emotionen treten vor und w&#228;hrend der Tat in den Hintergrund und werden nicht wahrgenommen.</p>
<p>Insofern geht Gewalt stets einher mit einer Gef&#252;hlsabwehr, und ist somit keinesfalls “ein Streben nach Macht oder &#220;berlegenheit”, wie es h&#228;ufig angenommen wird.<br />
Derartige Annahmen entstehen, wenn man Gewalt aus der Opferperspektive heraus betrachtet.<br />
Opfer sind hilflos, also wird vermutet, dass T&#228;ter/innen die gegenteiligen Emotionen h&#228;tten.<br />
Betrachtet man Gewalt jedoch aus der T&#228;ter(innen)-Perspektive, so l&#228;sst sich genau die Abwehrdynamik erkennen, die jeder Gewalttat zugrunde liegt. Der T&#228;terin, dem T&#228;ter geht es nach der Gewalttat “besser als vorher”. Keineswegs f&#252;hlen sie oder er sich jedoch “m&#228;chtig”.</p>
<h3>Gewaltkreislauf (nach Lempert)</p>
<p><div id="attachment_62" class="wp-caption alignright" style="width: 138px"><a href="http://www.gewaltpaedagogik.de/wp-content/uploads/2007/09/gewaltkreislauf2.gif"><img class="size-thumbnail wp-image-62" style="margin: 6px;" title="Gewaltkreislauf" src="http://www.gewaltpaedagogik.de/wp-content/uploads/2007/09/gewaltkreislauf2.thumbnail.gif" alt="Gewaltkreislauf, zum Vergr&#246;&#223;ern klicken..." width="128" height="96" /></a><p class="wp-caption-text">Bitte auf das Bild zum Vergr&#246;&#223;ern klicken,,,</p></div></h3>
<p>Gewaltt&#228;tige handeln in der Regel nicht impulsiv und planlos. Sie befinden sich jedoch in einem unbewu&#223;ten und damit unreflektiertem Gewaltkreislauf.</p>
<div class="mceTemp" style="text-align: auto;">Immer wieder werden sie im Alltag mit ungeliebten Gef&#252;hlen konfrontiert, die sie durch ihr Gewalthandeln abwehren.</div>
<p>Ihr Krisenabwehrverhalten funktioniert jedoch immer nur kurzfristig. Wieder und wieder rechtfertigen sie daher vor sich oder vor anderen ihre eigenen Gewalttaten.</p>
<p>Doch durch eine Rechtfertigung entsteht weder wirkliche innere Kl&#228;rung, noch wirkliche Entlastung: Die „Ursachensuche“ f&#252;r ihr eigenes Gewalthandeln au&#223;erhalb von sich selbst beginnt.</p>
<p>T&#228;terInnen entlasten sich so von Schuld- und Schamgef&#252;hlen, und geben die Verantwortung f&#252;r ihr Verhalten nach au&#223;en ab.<br />
Die ungel&#246;sten Konflikte treten fr&#252;her oder sp&#228;ter in ihrem Leben erneut auf und der Gewaltkreislauf beginnt von vorne.<strong> </strong></p>
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		<title>Unterscheidung Gewaltberatung / Gewaltp&#228;dagogik GHM®</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Aug 2007 13:33:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Forum Intervention</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitbild]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltberatung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir unterscheiden die Begriffe „Beratung“ und „P&#228;dagogik“ in Bezug auf die Vermittlung unserer Haltung und Arbeitsinhalte sowie auf den Kontext unserer T&#228;tigkeiten mit unserem Klientel. Gewaltberatung (GHM)® ist fokussiert auf das momentane Erleben und Verhalten des Klienten in einem face– to– face– Setting. Sie besteht: * aus der Exploration und Erkundung momentaner und zur&#252;ckliegender Sichtweisen [...]]]></description>
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<p>Wir unterscheiden die Begriffe „Beratung“ und „P&#228;dagogik“ in Bezug auf die Vermittlung unserer Haltung und Arbeitsinhalte sowie auf den Kontext unserer T&#228;tigkeiten mit unserem Klientel.</p>
<p><strong>Gewaltberatung (GHM)®</strong> ist fokussiert auf das momentane Erleben und Verhalten des Klienten in einem face– to– face– Setting. Sie besteht:</p>
<blockquote>
<ul>
<li>* aus der Exploration und Erkundung momentaner und zur&#252;ckliegender Sichtweisen des Klientels &#252;ber die Zusammenh&#228;nge und Verkn&#252;pfungen zwischen seinem (gewaltt&#228;tigen) Verhalten, seinen bisher wahrgenommenen Gef&#252;hlen und seinen Interpretationen des Geschehenen im Vorfeld.</li>
<li>* aus der Wahrnehmung, Einf&#252;hlung und Reflektion der emotionalen Resonanz es Gewaltberaters vor dem Hintergrund seines professionellen Einf&#252;hlungsverm&#246;gens und seines Wissens &#252;ber die m&#228;nnlichen und weiblichen Sozialisationsbedingungen,<br />
* und aus dem in Kontakt-Bringen dieser Resonanzen mit dem Klientel, gepr&#228;gt durch wertsch&#228;tzende Empathie gegen&#252;ber der Person und gleichzeitiger Konfrontation mit seinen/ihren (Gewalt) – Handlungen. (Konfrontation als Teilsystem empathischen Vorgehens (vgl. Oelemann 2003))</li>
<li>* durch die mitgeteilten Resonanzen des Beraters in Bezug auf die ausgel&#246;sten Emotionen, gekoppelt mit dem Verweis auf die Verantwortung des Gewalthandelnen f&#252;r sein Handeln.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Gewaltberatung bef&#228;higt so die Klienten zu einer erweiterten und differenzierteren Selbstwahrnehmung und weicht Blockaden im h&#228;ufig unflexiblen und starren Krisen- und Krisenabwehrverhalten der KlientInnen auf.</p>
<p><strong>Gewaltp&#228;dagogik (GHM)®</strong></p>
<p>abstrahiert nun von der individuellen und damit isolierten Sichtweise auf das Geschehene, Empfundene und Agierte indem sie:</p>
<blockquote>
<ul>
<li>* es in Beziehung zueinander (Bsp. Gewaltkreislauf nach Lempert) oder in Beziehung zu internalisierten Rollenvorgaben allgemeiner m&#228;nnlicher oder weiblicher Sozialisation setzt,</li>
<li>* neue krisenentsch&#228;rfende und -verhindernde sozialvertr&#228;gliche Handlungsm&#246;glichkeiten aufzeigt,</li>
<li>* auch gemeinsam mit anderen Klienten oder Klientinnen in Gruppen durchgef&#252;hrt wird,</li>
<li>* so die empfundene Isolation und Einsamkeit der einzelnen Klienten durch die realisierten Gemeinsamkeiten mit Anderen durchbricht,</li>
<li>* damit eine neue und ver&#228;nderte Sichtweise des einzelnen Gewaltt&#228;tigen in einem gesch&#252;tzten Rahmen erm&#246;glicht,</li>
<li>* und die Klienten zum Erlernen und Ausprobieren neuer Verhaltensweisen stimuliert.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Durch die Koppelung gewaltberaterischer – und gewaltp&#228;dagogischer Elemente im<br />
Gesamtzusammenhang unserer Arbeit erreichen die Gewaltt&#228;tigen eine dauerhafte Neubewertung ihrer bisherigen Sicht- und Verhaltensweisen, die von pers&#246;nlicher Einsicht gepr&#228;gt ist, und somit eine bereits vorhandene soziale &#220;beranpassung eher durchbricht und sie zuk&#252;nftig verhindert.<br />
Durch Gewaltberatung / Gewaltp&#228;dagogik (GHM)® werden sich die Klienten in der Unterscheidung Ihrer Bed&#252;rfnisse und W&#252;nsche sowie ihrer daraus motivierten Handlungen und deren Folgen selbst bewu&#223;t.<br />
Sie erlangen auf diese Weise die Kompetenz, f&#252;r die sozialvertr&#228;gliche Erf&#252;llung der eigenen Bed&#252;rfnisse zu sorgen, und Ihren eigenen Alltag in Ihrem Lebens- und Beziehungsumfeld gewaltlos gestalten zu k&#246;nnen.</p>
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		<item>
		<title>Verantwortung</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Aug 2007 12:04:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Forum Intervention</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitbild]]></category>

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		<description><![CDATA[T&#228;ter und T&#228;terinnen haben die alleinige Verantwortung f&#252;r ihr Gewalthandeln, von daher sind sie auch die einzigen, die ihre Gewalt stoppen k&#246;nnen. Sie sind in der Regel nicht psychisch krank und therapiebed&#252;rftig, so dass sie „geheilt“ werden m&#252;&#223;ten. Gewaltt&#228;tige m&#252;ssen so f&#252;r sich die Entscheidung treffen, ob sie weiterhin gewaltt&#228;tig leben wollen oder nicht. Bei [...]]]></description>
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<p>T&#228;ter und T&#228;terinnen haben die alleinige Verantwortung f&#252;r ihr Gewalthandeln, von daher sind sie auch die einzigen, die ihre Gewalt stoppen k&#246;nnen. Sie sind in der Regel nicht psychisch krank und therapiebed&#252;rftig, so dass sie „geheilt“ werden m&#252;&#223;ten.</p>
<p>Gewaltt&#228;tige m&#252;ssen so f&#252;r sich die Entscheidung treffen, ob sie weiterhin gewaltt&#228;tig leben wollen oder nicht. Bei dieser Entscheidungsfrage und in der Folge ben&#246;tigen sie Beratung, da sie eigenst&#228;ndig den (unbewu&#223;ten) Gewaltkreislauf nicht verlassen k&#246;nnen.</p>
<p>Gewalt ist nicht nur sch&#228;dlich f&#252;r die Opfer, sondern auch f&#252;r die T&#228;ter/innen. Gewalt erzeugt Angst und unter empfundener Angst wird Vertrauen unm&#246;glich.</p>
<blockquote><p>Gewaltt&#228;tige Klienten zerst&#246;ren so Vertrauen, N&#228;he, Kontakt und Beziehung, also das, wonach sie sich sehnen. Wird ihnen deutlich, wie sehr ihre Gewalt ihnen selber schadet (Beziehungsabbr&#252;che, Strafverfolgung, Selbstzweifel, Isolation…), sind sie bei bestehendem Beratungsangebot in der Regel bereit und prim&#228;r motiviert, ihr Verhalten zu ver&#228;ndern.</p></blockquote>
<p>Gewaltberatung und Gewaltp&#228;dagogik<strong> </strong>setzen voraus, die Klienten als sinnhaft handelnde Personen in der Dynamik ihrer Gewalt zu verstehen, was nicht bedeutet, dass ihre Gewalt entschuldigt wird.</p>
<p>Eine Ver&#228;nderung gewaltt&#228;tigen Verhaltens kann jedoch nur &#252;ber sein Verst&#228;ndnis erfolgen.</p>
<h3><strong>Haltung und Ziele (GHM)®</strong></h3>
<p>Ziele, die in der Arbeit mit Gewaltt&#228;tigen erreicht werden sollen, sind abh&#228;ngig von der Grundhaltung, mit denen wir ihnen als Berater gegen&#252;ber treten (vgl. Oelemann &amp; Lempert, 2000):</p>
<h3>Solidarisch- begleitende Haltung als elementare Grundlage:</h3>
<p>Wir solidarisieren uns bspw. als M&#228;nner mit den Jungen bzw. M&#228;nnern und entsolidarisieren uns gleichzeitig von ihrer Gewalt. Wir respektieren die T&#228;ter als Personen in ihrem So-Sein, und lehnen gleichzeitig ihre Gewaltt&#228;tigkeit ab.</p>
<p>Jede Form der Beratung ist nur m&#246;glich, wenn einem Klienten oder einer Klientin als Person ehrliche Wertsch&#228;tzung und Respekt entgegengebracht wird. Jeder Gewalthandelnde wird als Gesamtpers&#246;nlichkeit gesehen, also sowohl mit seiner / ihrer Gewaltt&#228;tigkeit als auch mit den positiven Ressourcen und liebevollen Seiten.</p>
<h3><strong>Geschlechtstypische Gewaltberatung/Gewaltp&#228;dagogik GHM®</strong></h3>
<p>Wir arbeiten mit T&#228;tern nicht als geschlechtslose , neutrale Berater, sondern z.B. als M&#228;nner, die selber einmal Jungen waren und einen reflektierten Zugang zu ihrem eigenen Junge-Sein haben. Erfolgreiche Gewaltberatung ist nur m&#246;glich, wenn wir den Klienten aus seinem Empfinden und aus seinen Sozialisationsbedingungen heraus verstehen k&#246;nnen.<br />
In der Arbeit mit T&#228;terinnen gelten diese Grunds&#228;tze ebenso.<br />
Nur wenn Gewaltt&#228;tige die Erfahrung machen, dass die GewaltberaterInnen sich in ihre Lage versetzen k&#246;nnen, werden sie ihr Mi&#223;trauen &#252;berwinden und eine prim&#228;re Motivation f&#252;r eine wirkliche Ver&#228;nderung seines/ihres Verhaltens entwickeln.</p>
<h3><strong>Ressourcenorientierung.</strong></h3>
<p>Es geht uns nicht darum, T&#228;tern oder T&#228;terinnen zu vermitteln, was bei ihnen alles nicht stimmt und was sie aufgeben m&#252;ssen, sondern vor allen Dingen arbeiten wir mit ihnen an ihren positiven Lebensentw&#252;rfen.</p>
<p>Sie erfahren in und durch unsere Begleitung, was sie alles gewinnen k&#246;nnen, wenn sie auf ihre Gewalt verzichten und aufh&#246;ren, unerreichbaren Selbstbildern nachzueifern.</p>
<p>Wir gehen davon aus, dass alle Klienten die Ressource „Gewaltfreiheit“ potentiell in sich tragen.</p>
<h3><strong>Emotionsbalancierende Gewaltberatung/Gewaltp&#228;dagogik GHM<sup>®</sup></strong></h3>
<p>Unsere KlientInnen sind uns mit all ihren Gef&#252;hlen willkommen. Wut und Hass sind genauso erlaubt wie</p>
<p><img src="http://www.beeltern.de/wp-content/uploads/2007/09/mimikwurfel.jpg" alt="mimikwurfel.jpg" hspace="10" vspace="3" width="219" height="163" align="right" /></p>
<p>Trauer Verzweiflung und Ohnmacht. Der Zugang zu ihren Gef&#252;hlen im Kontakt mit einem erfahrenen und professionellen Gegen&#252;ber nimmt den KlientInnen die unbedingte Notwendigkeit, diese bedr&#228;ngenden Gef&#252;hle abzuwehren.</p>
<p>Ziel der Arbeit ist es, die KlientInnen in ihrer Selbstwahrnehmung zu “vertiefen”, und ihnen einen situativ angemessenen Ausdruck der Emotionen zu erm&#246;glichen.</p>
<p>Dies f&#252;hrt auf Dauer zur emotionellen Stabilisation des Einzelnen durch Integration eigener ungeliebter Emotionen und Pers&#246;nlichkeitsanteile.<br />
<strong><br />
</strong></p>
<h3><strong> LITERATURLISTE:</strong></h3>
<p>BMFJ: NINI, BENTHEIM, FIRLE, NOLTE, SCHNEBLE: Abbau von Beziehungsgewalt als Konfliktl&#246;sungsmuster, Abschlu&#223;bericht, Bonn, 1994.<br />
BSJB: Beh&#246;rde f&#252;r Schule, Jugend und Berufsbildung, Hamburg<br />
BUNDESKRIMINALAMT : Kriminalstatistik, Wiesbaden 1992<br />
DANGERS T. : Die Bedeutung der Vorbilder f&#252;r gewaltt&#228;tige M&#228;nner auf ihrer Suche nach M&#228;nnlichkeit, unver&#246;ffentliche Diplomarbeit, Hamburg, Dezember 1993<br />
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OELEMANN, B.: M&#252;tter k&#246;nnen aus Jungen keine M&#228;nner machen, in: Marie Claire 1/1994,<br />
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<p>Forum Intervention<br />
Gesch&#228;ftsstelle Lingen<br />
Pestalozzistr.1, 49808 Lingen/Ems<br />
Fon: +49(0)591-6101523<br />
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